Vögel verstummen. Selbst der Wind wagt es nicht mit den Blättern der uralten Bäume zu spielen. Hoch oben auf einem Berg erkennt man die Umrisse einer Festung. Davor eine große Stadt in der einstmals das Leben tobte. Auf den Feldern liegt Asche. Zerbrochene Schwerter und Rüstungen zeugen von vergangenen Schlachten.

In Gedanken versunken streife ich durch die Gänge der alten Festung. Die Mauern sprechen zu mir... weißt du noch...

Die Erinnerungen holen mich ein ...

Ich höre das Poltern aus der Küche, das Gelächter der Freunde. "miez bist du da?" fast hätte ich gerufen: "hier!"

Schwermut legt sich über mich. Ich schaue aus einem Fenster und sehe sie vor mir. Alle die mir treu ergeben waren und mich bis zum Schluß begleitet hatten. Madsim, DarkMasquerade, Bert, Noonwalker, month, Mmanava, Taxx, DerNetteMann, Pine, Batida, Wölkchen, bindeluxe, Staubpartikel, Sachmet ... und sogar Gunjin (ein Mitglied der zerfallenen Gilde TR).

Ich schweife in die Vergangenheit. Da war der Elch, Silverfoxhunter, schatten, Kifferhase ... ich muß lächeln. Was haben wir doch für Späßchen gemacht, uns die Nächte um die Ohren geschlagen.

Ich drehe mich vom Fenster weg. Mein Blick fällt auf ein Bild. Das Wappen der Stadt. Horus, Ra und Osiris vereint in einem Namen HoRaOs. Wie sollte es auch anders sein, wenn der ehemalige Besitzer KatzeBastet war. Erster Gründer der Gilde war Bert. Seine Idee die Gilde Egypts Rain zu nennen verdient heute noch einen Orden. Einen klangvolleren Namen gibt es nicht.  

 

Als ich in den großen Saal trete spüre ich die Gegenwart vieler Gilden. Hier wurden Bündnisse geschlossen und Schlachtpläne geschmiedet. Entscheidungen über Leben und Tod getroffen, die nicht immer einfach waren. Der riesige Tisch in der Mitte ist bedeckt mit Staub. Ich zeichne mit dem Finger einen  Strich hinein. Dabei entdecke ich einen Abdruck. Er hat die Form einer Pfote. Leise kichere ich vor mich hin.

Plötzlich ein Geräusch. Meine Augen durchdringen die Dämmerung, die sich inzwischen über das Land gelegt hat. Jemand kommt auf mich zu. Jedoch scheinen die Füße den Boden nicht zu berühren. Ein Geist? Ich kann nur die Umrisse erkennen. Aber das reicht mir, um zu wissen es ist ... Nekekami. Wir stehen uns gegenüber. Sagen nichts. Aber ein gegenseitiger Blick in unsere Augen spricht Bände. Ja Neke, ich weiß ...

Wir gehen zusammen in Richtung Tor. Und wie immer knarrt es wenn man es öffnet. Wir bleiben auf den Stufen der alten Treppe stehen. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt und auf das Land. Nebel steigt auf. Ich reibe mir die Augen. Was ist das? Ich sehe Gestalten. Bist du das Piddy? Da ist noch jemand. Matze? Immer mehr erkenne ich. Dort ist Biggy und da hinten mein Sorgenkind Azathot. Viele Nächte haben wir miteinander geredet. Ich höre month. Er sagt: "na mietzibitzi alles klar?" "rülps!" das war Staubi. Ich muß lachen. Wie oft hat er mich damit geärgert. Gerade will ich zu ihnen gehen, als sich die Nebelschleier lichten und alle die ich gesehen hatte wie weggewischt waren.

Traurig schaue ich zu Neke. Er fasst meine Hand und drückt sie fest. Ich schließe das Tor hinter mir, drehe den großen alten Schlüssel zweimal um. Ziehe ihn ab und stecke ihn in mein Gewand. Tiefe Taschen säumen es. Meine Finger ertasten dabei ein Stück Pergament. Ich ziehe es heraus und entfalte es. Alt und zerknickt kann man Namen und Nummern darauf erkennen. Wie oft habe ich es in den Händen gehalten. Auf einmal vernehme ich Schritte. Ich schaue auf. Ein strahlendes, unbeschwertes Lächeln kommt mir entgegen. Ich kenne es. Wotan mein Knuddel! Ich höre wie er sagt: "du bleibst doch, oder?" Mein Herz krampft sich zusammen. Doch mein Entschluss steht fest. Mit zitternder Stimme erwidere ich: "nein". Meine Hand zerknüllt dabei das Pergament.

Zu dritt stehen wir nun vor der Festung. Keiner sagt was. Jeder geht seinen Gedanken nach.

Nun heißt es Abschiednehmen.

Gerade als ich mich zu Neke umdrehe, um mich bei ihm zu bedanken für all das was er für mich und meine Gilde getan hat, sehe ich, wie sich seine Gestalt langsam auflöst. Nur ein Zwinkern von ihm sagt mir, daß wir uns wieder sehen. Ich schaue zu Wotan. Er bietet mir seinen Arm an und ich hake mich bei ihm ein. Zusammen gehen wir die Stufen hinunter, durchqueren die verlassene Stadt und stehen nun vor der großen Zugbrücke, die noch nie funktioniert hat. Tränen steigen mir in die Augen. Wotan reicht mir ein Taschentuch. Ich unterdrücke jedoch die Tränen, schaue ihn an und sage: " mein Geist wird immer bei euch sein. Ihr werdet mich nicht sehen. Aber spüren. Und wer weiß, vielleicht komme ich eines Tages zurück." Ich drehe mich um und gehe langsam den ausgetretenen Feldweg entlang.

Ich werde sie alle vermissen. Und nie vergessen ...