Wer ist Katze Bastet?
BASTET war die löwenkatzenköpfige Herrin von Bubastis, die Tochter der starken Herrin TEFNUT von Heliopolis und Gespielin der löwenköpfigen Herrin von Leontopolis. An ihrem Busen wuchs HORUS auf, durch ihre Fürsorge erstarkten die Könige der beiden Länder. Als Mutter der Könige schmückte sie sich mit der Uräus-Schlange. Groß war ihre Fruchtbarkeit, und ihr Segen erfüllte die Länder und gab den Bewohnern allzeit Grund zu Tanz, Musik und fröhlichen Gelagen. Sie lehrte die Menschen die Liebe und nahm sich der Klagen von Liebenden an. In ihrem Zorne war sie unmäßig wie HATHOR oder wie die blutrünstige SACHMET. Man nannte sie wohl auch TEFNUT und sah in ihr eine Erscheinung ihrer Mutter, weil sie wie diese ein sehr inniges Verhältnis zu ihrem Vater RE besaß. Deshalb nannte man sie auch manchmal "weibliche Sonne" und "Auge des RE". Andere aber sahen in ihr eine Erscheinung der Göttin ISIS und hielten sie für die Seele, den Ba, der ISIS.
Einstmals entfloh sie ihrem Vater in das südliche Land, nach Nubien, woselbst sie als Wildkatze ihr Unwesen trieb.
Als sie aber bei ihrem Aufenthalt in Nubien versäumte, an den Versammlungen der großen Götter teilzunehmen, ward der Kummer dort groß. Denn auch bei den Menschen verdorrten Liebe und Leben. Und erst, als THOT auf Geheiß des RE die Göttin aus der selbstgewählten Fremde in Nubien durch List und viele kluge Erzählungen und Märchen wieder in die Heimat gelockt hatte, ward das Glück der Götter und der Menschen wieder vollkommen. Freude wie Liebe kehrten in die Länder zurück, und die Ordnung der großen Feste für die Götter und Könige, die völlig verwirrt war, wurde wiederhergestellt.
Der Göttin BASTET von Bubastis wird die Katze oder die Löwin als heiliges Tier zugeschrieben. Die sprichwörtliche Fruchtbarkeit der Katze und ihre Zärtlichkeit haben dazu geführt, die Göttin in diesem Tier erscheinen zu lassen. Diese Funktion haben ihr aggressives Wesen, weshalb HEREDOT die Göttin mit ARTEMIS vergleichen wollte, überschattet. Die Spätzeit hat ohnehin nur noch in ihr die Liebesgöttin gesehen. 
Die zahllosen Identifikationen der BASTET, zumal mit der Göttin TEFNUT, zeugen von ihrer Beliebtheit, weshalb sie in der memphitischen Tradition auch in den Reigen der Totengötter aufgestiegen ist.
Es kann nicht endgültig festgelegt werden, welches Tier der Göttin ursprünglich zugeordnet war. Offensichtlich waren schon für das Alte Reich die Symbolwerte von Katze und Löwin austauschbar. So läßt sich die Alternative, löwenähnliche Kriegerin oder katzenähnliche Liebesgöttin, religionsgeschichtlich nicht auflösen. Mythologisch gehören Jagd und Krieg und Liebe ohnehin in ihrer Bipolarität zusammen. Ausführliche Mythen erzählt man von BASTET sonst nur wenig, während sie in Hymnen und magischen Texten hingegen als Zauberin und Nothelferin angerufen wird.
Die Katzenfriedhöfe kommen erst seit dem Mittleren Reiche vor. Sie zeigen, daß der Kult der Göttin in der Frühzeit und im Alten Reich zunächst als löwenköpfige Kriegerin und Jägerin im exklusiven Königsmythos gedacht war, die erst später unter dem Bilde der Katze als Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin vulgarisiert wurde.

Quelle :  " Die Mythen der Ägypter " von Walter Beltz   

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